Wir vermitteln seit vielen Jahren Pflegeimmobilien – und gerade deshalb sagen wir deutlich: Auch diese Anlageklasse hat Risiken.
Wer sie kennt und vor dem Kauf prüft, investiert besser. Hier sind die sieben Punkte, die in der Beratungspraxis wirklich zählen – jeweils mit der konkreten Frage: Woran erkenne ich das vor dem Kauf?
Stand: August 2026
1. Betreiberinsolvenz – das wichtigste Risiko
Ihre Miete zahlt nicht der Bewohner, sondern der Betreiber der gesamten Einrichtung – über einen Pachtvertrag von meist 20 bis 25 Jahren. Das ist die Stärke des Modells, aber auch seine Konzentration: Alles hängt an einem Unternehmen. Bei einer Insolvenz fällt die Pacht aus, bis ein neuer Betreiber übernimmt – und der verhandelt neu.
Zur Einordnung: Der Pflegebedarf am Standort verschwindet durch eine Insolvenz nicht – laufende Häuser werden meist fortgeführt oder übernommen. Aber die Übergangszeit kostet.
Vor dem Kauf prüfen
- Jahresabschluss des Betreibers im Unternehmensregister: Eigenkapitalquote, Ergebnis, Zahl der Häuser
- Trägerstruktur: etablierter Betreiber mit Historie statt projektbezogener Neugründung?
- Qualitätsberichte des Medizinischen Dienstes zu bestehenden Häusern
2. Wiederverkauf und Zweitmarkt
Ein Pflegeapartment kaufen fast nur Kapitalanleger, keine Selbstnutzer – der Käuferkreis ist kleiner als bei einer Eigentumswohnung. Ein Verkauf braucht mehr Zeit, und der Preis folgt Restpachtlaufzeit und Rendite, nicht dem örtlichen Wohnungsmarkt.
Vor dem Kauf prüfen
- Restlaufzeit des Pachtvertrags – je länger, desto besser später verkäuflich
- Handelt der Vermittler auch Bestandsobjekte? (Wir tun das: Ankauf und Wiederverkauf)
- Grundsätzlich: als langfristige Anlage planen, nicht als kurzfristiges Investment
3. Instandhaltung: „Dach und Fach" bleibt bei Ihnen
Der Betreiber trägt den laufenden Betrieb und die Instandhaltung im Gebäude – aber Dach und Fach (Dach, Fassade, tragende Teile) und die Verwaltung bleiben beim Eigentümer. Diese Position wird in Renditerechnungen gern übersehen.
Vor dem Kauf prüfen
- Teilungserklärung lesen: Was genau umfasst „Dach und Fach"? Der Begriff ist nicht gesetzlich definiert
- Instandhaltungsrücklage: Höhe je m² und Jahr, Ansparbeginn
- Bei Bestand: Gebäudezustand und Baujahr gegen den Stand der Rücklage halten
4. Standort und Bedarf
Eine Pflegeimmobilie ist so gut wie der Pflegebedarf an ihrem Standort. Bundesweit steigt er seit Jahren – das zeigt die Pflegestatistik von Destatis –, aber regional gibt es Unterschiede: Wo viel neu gebaut wurde, kann örtlich ein Überangebot drohen.
Vor dem Kauf prüfen
- Standort- und Bedarfsanalyse zeigen lassen – sie gehört zu jedem seriösen Projekt
- Pflegequote im Landkreis: steigend?
- Bettenangebot im Einzugsgebiet und Belegungsquote bestehender Häuser
5. Pachtanpassung und Indexierung
Die Indexklausel ist der Inflationsschutz des Modells: Die Pacht folgt dem Verbraucherpreisindex. Aber häufig nur teilweise – etwa zu 60 bis 75 Prozent, oder erst ab einer Schwelle. Bei 3 % Inflation und 65-%-Indexierung wächst Ihre Pacht real langsamer als die Preise.
Vor dem Kauf prüfen
- Indexklausel im Pachtvertrag zeigen lassen: Voll- oder Teil-Indexierung? Ab welcher Schwelle?
- Ein Inflationsszenario in die Renditerechnung einarbeiten
6. Politik und Refinanzierung
Die Pacht wird über die Pflegesätze refinanziert – und die sind politisch reguliert. Pflegereformen, Investitionskostensätze der Länder und Landesvorgaben wie Einzelzimmerquoten können die Wirtschaftlichkeit einer Einrichtung verändern – im Positiven wie im Negativen.
Vor dem Kauf prüfen
- Erfüllt die Einrichtung die aktuellen Landesvorgaben (Einzelzimmerquote, Barrierefreiheit)?
- Neubau nach aktuellem Standard trägt dieses Risiko deutlich geringer als nachrüstungsbedürftiger Altbestand
7. Nebenkosten und die ehrliche Renditerechnung
Die ausgewiesene Mietrendite bezieht sich auf den Kaufpreis – nicht auf Ihren Gesamtaufwand. Grunderwerbsteuer (3,5 bis 6,5 % je nach Bundesland), Notar und Grundbuch kommen dazu, laufend Verwaltung und Rücklage. Wer mit der Katalogrendite rechnet, rechnet zu optimistisch.
Vor dem Kauf prüfen
- Rendite auf den Gesamtaufwand rechnen – das Schema zeigt unsere Musterberechnung
- Steuerwirkung (AfA) gehört in die persönliche Beratung, nicht ins Verkaufsprospekt
Die Prüf-Checkliste vor dem Kauf
- Jahresabschluss des Betreibers eingesehen (Eigenkapital, Ergebnis)?
- Wie viele Einrichtungen betreibt der Träger, seit wann?
- Qualitätsberichte des Medizinischen Dienstes geprüft?
- Restlaufzeit des Pachtvertrags und Optionen bekannt?
- Teilungserklärung: Was genau umfasst „Dach und Fach"?
- Instandhaltungsrücklage: Höhe und Ansparbeginn geklärt?
- Bedarfsanalyse gesehen – Pflegequote und Bettenangebot?
- Indexklausel: Voll- oder Teil-Indexierung, ab welcher Schwelle?
- Aktuelle Landesvorgaben erfüllt (z. B. Einzelzimmerquote)?
- Rendite auf den Gesamtaufwand gerechnet?
Zu jedem dieser Punkte liefern wir Ihnen die Unterlagen und rechnen mit Ihnen – kostenlos und unverbindlich.
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Über den Autor: Helge Neumann
Inhaber, N&P Immobilien GmbH
Helge Neumann ist seit über 25 Jahren in der Immobilienbranche tätig und hat 2006 eine der ersten deutschen Websites für Denkmalimmobilien gestartet. Seit 2013 führt er die N&P Immobilien GmbH, die auf Pflege- und Denkmalimmobilien als Kapitalanlage spezialisiert ist. Er begleitet Käuferinnen und Käufer persönlich von der Objektwahl bis zur steuerlichen Umsetzung.
Weiterlesen: Wachstumsmarkt Pflege · Glossar der Fachbegriffe · Musterberechnung
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